facebook

Jetzt kann mich keiner mehr aufhalten – ich werde Steuerberater!

Erfahrungsbericht zur Vorbereitung auf die Steuerberaterprüfung von N. aus Hamburg

 

Erst der Bachelor, dann der berufsbegleitende Master und ich dachte: „Jetzt kann mich keiner mehr aufhalten – ich werde Steuerberater!”  So oder so ähnlich waren die ersten Gedanken, als ich nach Abschluss des Masters bereits in einer der größten Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzleien arbeitete. Dieser Gedanke stellte sich schnell als Trugschluss heraus, denn die Steuerberaterprüfung gilt nicht ohne Grund als einer der härtesten Prüfungen in Deutschland. So durfte ich eine Ehrenrunde drehen, da das Uni-Wissen und das Schreiben von Klausuren ohne knallharte Erarbeitung der Klausurentechnik bei gleichzeitiger Verinnerlichung des theoretischen Wissens nicht ausreichend sind.

Entsprechend ernüchternd begann die Vorbereitungszeit auf das große Ziel 2018. Unter den zahlreichen Anbietern entschied ich mich zunächst ausschließlich für KNOLL. Den Beginn machte die Buchung des Examenskurses 2018 (5 Wochen Vollzeit ab Juli) und des Klausurenfernkurses (27 Stück) im Januar 2018. Zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht bewusst, wie anstrengend die Zeit werden sollte.

 

Klausurarbeit als Basis

Im März 2018 ging es dann mit der ersten Klausur (ab dann wöchentlich!), die mehr oder weniger bereits Examensniveau hatte, los. Diese innerhalb von sechs Zeitstunden, mit einem guten Gefühl zu beenden (wie man es von der Uni gewohnt war), war leider nicht möglich. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich trotz der Vorjahresklausuren zu wenig Wissen und die Aufgaben waren gefühlt überfrachtet. Vor diesem Hintergrund wunderte es mich nicht, dass die Benotung eher Richtung 5,0 ging. Hervorzuheben ist bei KNOLL, dass zu jeder Musterlösung auch noch Schwerpunkthefte zur Aufarbeitung und Nachbearbeitung übersandt wurden. So konnte ich zeitnah die Klausuren nach der Korrektur aufarbeiten und parallel versuchen, mein Wissen zu vertiefen/zu erweitern. Daneben lagen mir noch weitere Lehrhefte, die das theoretische Wissen vermitteln sollten, vor. Zu diesem Zeitpunkt war es beruhigend von KNOLL zu erfahren, dass man nicht alleine ist und es keine Schande ist, am Anfang nicht fertig zu werden. Eine 5,0 oder schlechter ist wohl der Standard.

Nichtsdestotrotz wurde ich - je näher es Richtung Examenskurs ging - nervöser. Eine Klausur pro Woche war mir nicht genug. Da ich meine wöchentliche Arbeitszeit aufgrund der Vorbereitung deutlich reduzierte und später noch einen Arbeitgeberwechsel vollzog, wollte ich diese Zeit weitestgehend zur Prüfungsvorbereitung nutzen. Ab Mai 2018 buchte ich daher weitere FK-Klausuren bei einem anderen Anbieter. Diesen empfand ich als gleichwertig oder sagen wir so: „Die Mischung macht’s!”. Dies beruhigte, denn zwei Klausuren pro Woche waren sehr viel. An dieser Stelle sei betont, dass dies ohne Reduzierung der Arbeitszeit bzw. des Arbeitgeberwechsels unter Nutzung meiner Überstunden nicht möglich gewesen wäre. Das Wochenende ist dafür definitiv nicht ausreichend, denn man sollte sich auch einen „steuerfreien“ Tag die Woche gönnen.

 

Kräftezehrender Examenskurs

Im Juli begann der Examenskurs und von Tag eins an hatten wir vormittags Unterricht, kurze Mittagspause, darauf aufbauende Klausur und abschließende Besprechung derer. In den Klausuren wurde teilweise der Stoff vom Vormittag wiederholt und darüber hinaus neuer Stoff vermittelt. Diese Zeit zehrt sehr an den Kräften. Daher habe ich jede Woche mindestens einen Tag Pause eingelegt und es mir an der frischen Luft gutgehen lassen. Der Sommer 2018 machte es einem nicht sonderlich schwer. :-) So war es mir möglich, Kraftreserven für die bevorstehende Zeit bis zum Oktober zu erhalten.

 

Intensive Klausurarbeit für die Klausurtechnik

Nach dem Examenskurs versuchte ich die restlichen Fernklausuren zu bearbeiten und zur Korrektur einzusenden. Dies war eine echte Mammutaufgabe, da ich während des Examenskurses kaum bis gar nicht zur Bearbeitung von sechsstündigen Klausuren kam. Darüber hinaus bezog ich von zwei unterschiedlichen Anbietern Klausuren, was die Anzahl der nichtgeschriebenen Klausuren verdoppelte. Ich war also teilweise echt am Limit meiner Kräfte. Ich entschied mich daher erstmal bewusst gegen die Buchung eines weiteren Klausurenkurses und versuchte, die mir noch zur Verfügung stehenden Klausuren abzuarbeiten! Denn nicht nur das Schreiben ist wichtig, die Nachbearbeitung des Stoffes in den Klausuren nimmt mindestens den gleichen Stellenwert ein!!!!!! Kurz vor Oktober bekam ich dann doch kalte Füße. Daher buchte ich doch noch einen weiteren Klausurenkurs (12 Stück innerhalb von zwei Wochen). Insgesamt kam ich auf eine Anzahl von 60 bis 70 geschriebenen Klausuren, was sicherlich empfehlenswert ist, denn nur so kann meines Erachtens die oft unterschätzte Klausurentechnik verinnerlicht werden.

 

Das Gefühl „Vor der Prüfung ist nach der Prüfung”

Die entscheidenden Tage im Oktober waren also mehr oder weniger „normale Klausurentage”, nur mit dem Unterschied, dass diese nun über meine Zukunft entscheiden sollten. Die Aufregung war wirklich unbeschreiblich und ich dachte nur: Bitte keine Lohnsteuer und auch sonst nichts Experimentelles. Hier sollte ich glücklicherweise Recht behalten. Der Tag nach den Klausuren war ein mehr oder weniger angenehmes Gefühl im Vergleich zum Vorjahr. Ich konnte erstmal wieder meine Freizeit genießen. Gleichzeitig hatte ich im Hinterkopf, dass es Mitte/Ende Dezember die Ergebnisse gibt. Daher schlich sich zeitnah das schlechte Gewissen ein, wenn das Wochenende doch mal wieder anders genutzt wurde. Nichtsdestotrotz hielt sich meine Vorbereitung bis Weihnachten in Grenzen. Das Gefühl zu lernen, ohne zu wissen, ob es tatsächlich reicht, ist eher demotivierend und war nicht förderlich.

Allerdings hatte ich Glück! Noch im Dezember erhielt ich einen positiven Bescheid und die ganze Last fiel von mir ab – einfach unbeschreiblich!!!!!! Zeitgleich stieg der Druck, da ich mich bis dato nicht auf die mündliche Prüfung vorbereitet hatte. Durch meine bisherigen Vortragstätigkeiten profitierte ich hier, sodass ich mich auf „Prüfungssimulationen”, „Aktuelles Steuerrecht” und die „Nicht-Steuerfächer” (Berufsrecht, Europarecht, Insolvenzrecht etc.) fokussierte. Ende Januar hieß es „Alles oder Nichts” und die mündliche Prüfung stand bevor. Die Vorbereitung ist vergleichsweise kurz, der Druck allerdings sehr hoch. Ein Scheitern in der mündlichen Prüfung mag man sich so kurz vor dem Ziel nicht vorstellen. Völlig überwältigend ist daher die Bekanntgabe der Kommission: „Sie haben bestanden!”

 

Fazit

Abschließend möchte ich festhalten: Das Jahr besteht durchgängig aus Höhen und Tiefen, wobei die prägendere Rolle den Tiefen zukommt. Das ein oder andere Mal überkommt einen die Verzweiflung. Dabei sollte man sich sagen: Es zählen „nur” die Klausuren im Oktober! Einen weiteren Ratschlag möchte ich noch mitgeben: Sich mit anderen Prüflingen zu vergleichen, ist demotivierend und kräftezehrend. Fokussiert euch auf dieses persönliche Projekt und versucht zumindest die anderen Dinge auszublenden!!!! Dabei kann und darf der Austausch mit künftigen Kollegen natürlich nicht komplett wegfallen, da sich aus dieser Zeit doch die eine oder andere Freundschaft entwickeln kann.