Voraussetzungen für die Zulassung zur Steuerberaterprüfung

1. Vorbildungsvoraussetzungen nach § 36 Abs. 1 und 2 StBerG

2. Praktische Tätigkeit

Allgemeines für die Zulassung zur Steuerberaterprüfung

Außer den drei verschiedenen Ausbildungsqualifikationen des § 36 StBerG ist eine hauptberufliche praktische Tätigkeit auf dem Gebiet der von den Bundes- oder Landesfinanzbehörden verwalteten Steuern erforderlich, die nach Beendigung der jeweiligen Abschlußprüfung ausgeübt sein muss. Die berufspraktische Tätigkeit soll dazu dienen, die theoretisch erworbenen Kenntnisse in die Praxis umzusetzen, um eine gewisse spezifische Berufserfahrung zu gewinnen.

Als hauptberufliche Tätigkeit gilt eine Tätigkeit auf dem Gebiet der von den Bundes- oder Landesfinanzbehörden verwalteten Steuern, wenn sie nicht nebenberuflich ist und wenn sie außerdem den Hauptinhalt der Tätigkeit des Prüfungsbewerbers bildet, durch sie also Arbeitszeit und Arbeitskraft überwiegend beansprucht werden. Der Begriff "Tätigkeit auf dem Gebiet der von den Bundes- oder Landesfinanzbehörden verwalteten Steuern" wurde durch das 5. StBerändG vom 13.12.1990 eingeührt und nimmt Bezug auf den Anwendungsbereich des Steuerberatungsgesetzes (§ 1 StBerG). Dieser Begriff ist enger als der früher vom StBerG verwendete Begriff "Tätigkeit auf dem Gebiet des Steuerwesens". Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung muss die hauptberufliche Tätigkeit im Kernbereich der Berufstätigkeit eines Steuerberaters ausgeübt werden.

Das Erfordernis der berufspraktischen Tätigkeit auf dem Gebiet der von den Bundes- oder Landesfinanzbehörden verwalteten Steuern dient dazu, nur solche Bewerber zur Steuerberaterprüfung zuzulassen und ggf. später als Steuerberater zu bestellen, die durch ihre berufsspezifische Erfahrung die Gewähr für eine sachgerechte und qualifizierte, selbständige Berufsausübung bieten. Deshalb kann grundsätzlich eine Tätigkeit nicht anerkannt werden, die nicht dem Kernbereich der Berufstätigkeit eines Steuerberaters zugerechnet werden kann. Dies gilt z.B. für die Tätigkeit als Kreditprüfer bei einer Bank oder als gewerblicher Buchführungshelfer.

Freiberufliche Tätigkeit und sogenannte freie Mitarbeit

Auf die für die Zulassung zur Steuerberaterprüfung erforderliche berufspraktische Tätigkeit kann grundsätzlich auch eine freiberufliche Tätigkeit auf dem Gebiet der von den Bundes- oder Landesfinanzbehörden verwalteten Steuern angerechnet werden.

Ein in freier Mitarbeit Tätiger darf nicht selbständig in dem Sinne sein, dass er eigenverantwortlich und weisungsunabhängig handelt. Die Anerkennung einer solchen Tätigkeit setzt voraus, dass der Steuerbrater als Auftraggeber die Tätigkeit (das Arbeitsergebnis) überwacht und hierfär im Außenverhältnis die Verantwortung übernimmt.

Sonstige anrechenbare Zeiten

Auf die erforderlichen Tätigkeitszeiten anrechenbar sind die Zeit des Grundwehrdienstes und der Wehrübungen sowie des Zivildienstes, soweit dadurch bei der geforderten Tätigkeit eine Zeit von drei Jahren nicht unterschritten wird. Anrechenbar ist auch die Wehrdienstzeit als Soldat auf Zeit mit einer Verpflichtungsdauer von nicht mehr als zwei Jahren.

Anrechenbar sind die Zeiten des gesetzlichen Mutterschutzes, nicht jedoch der Elternzeit.

Zeiten, während denen der Prüfungsbewerber Lehrgänge absolviert, stellen keine berufspraktische Tätigkeit dar und sind deshalb nicht anrechenbar. Weiter sind nicht anrechenbar Tätigkeitsunterbrechungen durch Urlaub und Krankheit, die über den normalen Erholungsurlaub bzw. übliche Krankheitszeiten hinausgehen.

Eine Teilzeitbeschäftigung gilt als hauptberufliche Tätigkeit, wenn der Umfang der Tätigkeit auf dem Gebiet der von den Bundes- oder Landesfinanzbehörden verwalteten Steuern mindestens 16 Wochenstunden beträgt. Zur Anrechnung einer Teilzeitbeschäftigung auf die erforderliche beurfspraktische Tätigkeit siehe § 36 Abs. 3 StBerG.

Verbindliche Auskunft

Hat der Prüfungsbewerber Zweifel, ob und in wieweit die einzelnen Voraussetzungen für die Prüfungszulassung erfüllt sind, kann er gem. § 38a StBerG/§ 7 DVStB von der Zulassungsbehörde eine verbindliche Auskunft beantragen. Die Auskunft wird schriftlich erteilt. Es wird hierfür eine Gebühr von 75.- Euro erhoben. In dem Antrag auf Erteilung einer verbindlichen Auskunft sind die Angaben nach § 4 Abs.2 DVStB zu machen und die Anlagen nach § 4 Abs.3 DVStB beizufügen.

Übersicht der Steuerberaterkammern und Zulassungsunterlagen

Die Internetadressen der Steuerberaterkammern mit direktem Link zum Zulassungsantrag haben wir für Sie in einer Übersicht zusammengestellt. Diese beinhaltet auch Hinweise zu Gebühren und weiteren Merkblättern.

Informieren Sie sich unbedingt vorab, welche Anforderungen Ihre Kammer für die Zulassung stellt.

Allgemein gilt:

  • Der Zulassungsantrag ist bis 30.04.2018 zu stellen. Bei den meisten Kammern wahrt der Zahlungseingang die Frist.
  • Die Steuerberaterkammer Münchnen hat zusätzlich eine Ausfüllhilfe. Diese kann auch für das Ausfüllen von Anträgen anderer Kammern hilfreich sein. Beachten Sie aber, dass die Kammern grundsätzlich unabhängig voneinander sind.
  • Die Gebühr für den Zulassungsantrag ist bei Antragsstellung zu begleichen.

Gebühren für Zulassungsantrag und Prüfung sind grundsätzlich im StbG geregelt, die Kammer darf jedoch davon abweichen.

Zur Übersicht der Zulassungsanträge

Informationsvideo zur Zulassung zur Steuerberaterprüfung

Prof. Dr. Oliver Zugmaier über die Zugangsvoraussetzungen zur Steuerberaterprüfung.

Muster Arbeitgeberbescheinigung

Die Steuerberaterkammer München hat ein Muster einer Arbeitgeberbescheinigung auf ihrer Webseite zur Verfügung gestellt. Sollten Sie mehrere Arbeitgeber gehabt haben, muss diese Bescheinigung entsprechend von mehreren Arbeitgebern ausgestellt werden, um die für Sie insgesamt notwendigen Jahre der berufspraktischen Tätigkeit mit mindestens 16 Wochenstunden nachweisen zu können.

Download Formulierungsvorschlag der Steuerberaterkammer München

Empfehlung zum Weiterlesen

 "Die Zulassung zur Steuerberaterprüfung" (Mit freundlicher Genehmigung des NWB Verlags)